Datenschutz einfach erklärt
Teams-Ersatz im Stresstest: EU-Beamte watschen ihre eigene Software-Alternative ab
27. Oktober 2026 · 2 Minuten Lesezeit
Bild: Mikhail Nilov / pexels.com
Eigentlich sollte es ein Zeichen der Stärke sein. Die EU-Kommission will sich von US-Konzernen unabhängiger machen und hat deshalb Element Pro eingeführt, eine Kommunikationsplattform als Alternative zu Microsoft Teams. Doch ausgerechnet die eigenen Mitarbeiter finden das Werkzeug wenig berauschend. Die Kritik fällt so deutlich aus, dass sie selbst hartgesottene Digitalpolitiker ins Grübeln bringen dürfte.
Ein Backup mit Ecken und Kanten
Der Plan klingt zunächst vernünftig. Teams bleibt das wichtigste Arbeitswerkzeug der Kommission, Element Pro soll nur einspringen, wenn der Microsoft-Dienst ausfällt. Der entscheidende Unterschied: Element Pro läuft nicht in einer Cloud eines US-Konzerns, sondern auf der eigenen Infrastruktur der Behörde. Die Software basiert auf dem offenen Matrix-Standard, den laut Berichten auch die Bundeswehr, Nato-Einheiten und die Vereinten Nationen nutzen.
Laut Politico, das sich auf interne Forenbeiträge beruft, sind viele Beamte trotzdem unzufrieden. Ein Nutzer konnte den Mehrwert schlicht nicht erkennen. Ein anderer meinte, Element Pro sei von Teams noch meilenweit entfernt. Ein dritter Kommentar ging noch weiter und behauptete, die USA würden einen technologischen Streit mit Europa im Handumdrehen gewinnen. Wichtig dabei: Die Stimmen sind anonym und spiegeln nicht die Meinung der gesamten Belegschaft wider.
Datenschutz hat seinen Preis
Hier liegt der eigentliche Kern der Geschichte. Wer seine Daten selbst kontrollieren will, muss häufig Abstriche beim Komfort machen. Das kennt jeder, der schon einmal eine praktische App genutzt hat, obwohl sie ziemlich viel über ihn weiß. Open-Source-Lösungen sind datenschutzfreundlicher, wirken aber oft unfertiger oder verlangen mehr Einarbeitung.
Der Chef des Unternehmens Element räumt das offen ein. Veränderungen seien immer schmerzhaft, und ein Umstieg von einer so etablierten Software wie Teams werde zwangsläufig holpern. Die Reibung ist also kein Versehen, sondern der Preis der Unabhängigkeit.
Warum Bequemlichkeit oft gewinnt
Die Kritik ist allerdings nicht das ganze Bild. Laut Element nutzen mittlerweile weit über 200 Millionen Menschen das Matrix-Protokoll, mehr als 25 Regierungen setzen auf Matrix-basierte Systeme. In Deutschland treiben das Bundesinnenministerium und das Zentrum für Digitale Souveränität (ZenDiS) entsprechende Projekte für die öffentliche Verwaltung voran. Der Standard ist also keineswegs eine Nische.
Trotzdem zeigt der Fall der EU-Kommission, woran es oft hakt: Gewohnheit schlägt Prinzipien. Solange das vertraute Programm funktioniert, fällt es schwer, sich für das unbequemere, aber datenschutzfreundlichere Modell zu entscheiden.
Die unbequeme Wahrheit
Europa will Herr im eigenen digitalen Haus sein, verlangt aber gleichzeitig vom Personal, dass es sich bitte nicht beschwert. Das ist, als würde man einen Tresor kaufen und sich wundern, dass er morgens schwer zu öffnen ist.
Ein Backup ist keine Strategie, sondern eine Versicherungspolice. Wenn die Kommission ihr Hauptwerkzeug weiter bei Microsoft lässt und die Alternative nur für den Notfall bereithält, sollte sie sich ehrlich fragen, wie ernst sie es mit der Souveränität meint. Recht 24/7 meint: Wer digitale Unabhängigkeit will, darf nicht erwarten, dass sie sich anfühlt wie ein entspanntes Wochenende am Strand. Sie ist anstrengend, unbequem und manchmal ziemlich hässlich. Genau deshalb muss man sie wirklich wollen und nicht nur auf Konferenzfolien beschwören.