Konto im Funkloch: Wie ein Google-Ausfall Banken in ganz Europa lahmlegte

27. Oktober 2026 · 2 Minuten Lesezeit

Bild: energepic.com / pexels.com

Eine Störung in einem Rechenzentrum, tausende Kilometer entfernt, und plötzlich kommt man an sein eigenes Geld nicht mehr heran. Was nach Science-Fiction klingt, ist am 20. Oktober 2026 passiert. Die Folgen zeigen, wie abhängig die digitale Finanzwelt von ein paar großen Konzernen geworden ist.

Ein Dienstag, der Bankkunden den Atem nahm

Am Dienstag fiel ein Teil der Google Cloud in London aus, genauer gesagt die Region europe-west2. Die Digitalbank Revolut meldete Störungen bei Zahlungen und beim App-Zugriff. Auch Nutzer in mehreren europäischen Ländern berichteten von Problemen. Die ING hatte ebenfalls Schwierigkeiten, erklärte aber, dies habe nichts mit dem Google-Vorfall zu tun. Auf dem Höhepunkt listete Google 36 Dienste als betroffen, darunter Rechenleistung, Datenbanken und Speicher. Im Laufe des Tages meldete der Konzern, die Dienste seien wiederhergestellt.

Warum Ihr Konto an einer Wolke hängt

Banken betreiben ihre Software selten komplett in eigenen Serverräumen. Stattdessen mieten sie Rechenkapazität bei Cloud-Anbietern, weil das günstiger und flexibler ist. Anmeldung, Kontostand, Überweisungen: Vieles davon läuft heute auf fremder Infrastruktur. Fällt diese aus, steht die Bank still, auch wenn sie selbst nichts falsch gemacht hat. Genau das macht den Fall so unbequem.

Die Ursache: Strom statt Hacker

Nach Angaben von Google hingen die Probleme mit der Stromversorgung zusammen. Ein Angriff wurde nicht als Auslöser genannt. Wie genau der Ausfall ablief und welche wirtschaftlichen Folgen er hat, war zum Zeitpunkt der Berichte noch nicht vollständig geklärt.

Wer haftet, wenn die Wolke fällt?

Die EU verlangt von Banken seit einiger Zeit, dass sie ihre Abhängigkeit von IT-Dienstleistern bewerten und Notfallpläne vorhalten. Für Kunden zählt im Alltag vor allem eines: Gibt es bei einem Ausfall alternative Zugänge, funktionierende Karten oder klare Informationen? Wer durch eine solche Störung konkret Schaden erlitten hat, sollte seine Ansprüche im Einzelfall prüfen lassen.

Die Wolke ist nur so stark wie ihr schwächstes Kabel

Das eigentliche Problem ist nicht ein einzelner Ausfall. Es ist die Bequemlichkeit, mit der sich Branchen auf wenige Anbieter verlassen. Ein Stromproblem in London legt Zahlungsverkehr in Berlin, Wien oder Madrid lahm. Das ist keine Randnotiz, sondern ein Systemrisiko.

Die Bank muss am Steuer sitzen, nicht nur im Beifahrersitz

Es ist ziemlich unverschämt, dass Banken mit Sicherheit und Vertrauen werben, aber ihre Kundschaft an den Stromanschluss eines Dienstleisters koppeln, den sie nicht kontrollieren. Ein Notfallplan, der nur auf dem Papier existiert, ist keine Strategie, sondern Dekoration. Die Regeln verlangen mehr, und genau daran sollten Banken gemessen werden, bevor der nächste Ausfall ihr Girokonto zur Gedächtnisstütze macht. Wer Geld verwahrt, darf nicht darauf hoffen, dass die Wolke hält. Er darf erwarten, dass jemand den Regen vorher einplant.

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Dr. Georg Schröder, LL.M. · Geschäftsführer, Rechtsanwalt, Datenschutzbeauftragter

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