Brüssel gegen Elon Musk: Wer bekommt den Himmel über Europa?

27. Oktober 2026 · 2 Minuten Lesezeit

Brüssel gegen Elon Musk: Wer bekommt den Himmel über Europa?

Das Funkloch der Zukunft liegt nicht im Tal, sondern über uns. Satelliten sollen Handys direkt erreichen, ohne Umweg über Funkmasten. Wer dort oben die Frequenzen bekommt, entscheidet über Europas digitale Zukunft. Genau deshalb streiten sich gerade Brüssel, Washington und einer der mächtigsten Unternehmer der Welt.

Ein Frequenzband, das seit 2009 zwei Firmen gehört

Im Zentrum steht ein Stück Funkspektrum rund um 2 Gigahertz. Es eignet sich besonders gut, um Smartphones direkt mit Satelliten zu verbinden. Seit 2009 gehört es den US-Unternehmen Viasat und EchoStar. Im Mai 2027 laufen die Nutzungsrechte aus, und die EU-Kommission will die Vergabe neu regeln.

Ende Mai 2026 legte Brüssel dafür einen Vorschlag vor. Zwei Drittel des Bandes sollen europäischen Anbietern vorbehalten bleiben, darunter das eigene Satellitenprojekt IRIS². Das letzte Drittel dürfen auch Firmen von außerhalb der EU bieten. Starlink und Amazon könnten also mitmischen, müssten sich aber mit einem Bruchteil zufriedengeben.

Zwei Drittel für Europa, der Rest für Musk?

Starlink ist heute der größte Anbieter von Satelliteninternet weltweit, mit über zehntausend Satelliten im niedrigen Erdorbit. Entsprechend deutlich fällt die Reaktion aus. SpaceX warnt, eine exklusive Vergabe an europäische Anbieter erhöhe das Risiko von Ausfällen für Nutzer in Europa. Außerdem könnten neue europäische Betriebsabläufe weltweit Störungen verursachen, auch bei Notdiensten.

Auch aus Washington kommt Gegenwind. FCC-Chef Brendan Carr warnte bereits im März, die USA würden europäische Abschottung bei der Gegenseitigkeit berücksichtigen. Übersetzt heißt das: Wer uns Märkte verschließt, dem verschließen wir unsere auch.

Die Ukraine als Warnsignal

Beim Thema Abhängigkeit kommt die Ukraine ins Spiel. Dort hat sich Starlink im Krieg als wichtiges Kommunikationsmittel etabliert. Gleichzeitig wurde bekannt, dass Musk den Zugang dort einschränken könnte. Genau dieses Beispiel führen Befürworter der EU-Pläne an: Ein kriegswichtiger Dienst sollte nicht in der Hand eines einzelnen Unternehmers liegen. Der deutsche Digitalpolitiker Thomas Jarzombek verwies ebenfalls auf die Ukraine als Beleg für die Abhängigkeit, die solche Technik schaffen kann.

Telekom & Co. gehen in Stellung

Die Deutsche Telekom, Vodafone, Orange und Telefónica wollen gemeinsam auf die Frequenzen bieten. Der französische Präsident Emmanuel Macron hatte zuvor zu einer europäischen Allianz für Satellitentechnik aufgerufen. Der Plan hat eine pikante Seite: Die Telekom hat im März 2026 selbst eine Partnerschaft mit SpaceX geschlossen. Starlink soll in zehn europäischen Ländern Direktempfang anbieten. Man will Musk also zugleich bekämpfen und ihm Kunden bringen.

Souveränität mit Preisschild

Hier wird es unbequem. Europa will endlich unabhängig werden und baut dafür Zäune auf. Das klingt gut auf dem Gipfelfoto, aber die Rechnung zahlt am Ende der Kunde im Funkloch. Wenn die europäische Alternative teurer und schlechter ist, dann hilft ihm die Souveränität im Alltag wenig.

Die EU hat recht, wenn sie Abhängigkeiten ernst nimmt. Sie hat aber unrecht, wenn sie Schutz mit Wettbewerb verwechselt. Die Telekomkonzerne haben es in den letzten Jahren nicht geschafft, Funklöcher zuverlässig zu schließen. Jetzt sollen Frequenzregeln den Job erledigen, den sie selbst nicht hinbekommen haben. Bequemer geht Lobbyarbeit kaum. Wer Souveränität will, sollte sie sich verdienen und nicht bestellen.

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Dr. Georg Schröder, LL.M. · Geschäftsführer, Rechtsanwalt, Datenschutzbeauftragter

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